Studiengang: Kunstgeschichte

Hausarbeit – 2:

Stellen Sie eigene
Überlegungen dazu an, warum in der ägyptischen Kunst der enge Zusammenhang
zwischen Götter-, Herrscher- und Totenkult zu Formen geführt hat, deren
monumentale Gestaltungen in der Geschichte der Kunst als unvergleichlich
bezeichnet werden können.

Judith Kinsky, 16.Mai 2018

Die altägyptische Kunst bezeichnet
hauptsächlich Malerei, Skulptur und Architektur, die sich räumlich stark auf
das Niltal und das Nildelta beschränkt. Sie entwickelte sich parallel zur
Formierung des pharaonischen Staates von 4000 bis 332 vor Christus.Es entstand in der Geschichte eine einzigartige
Hochkultur, deren künstlerische Formensprache sich im Verlauf der Jahrhunderte
nur geringfügig änderte.(vgl. Lernheft 2, Seite2)

Betrachten wir zunächst die ägyptische Kultur
etwas näher, so gibt es eine starke Diskrepanz zwischen der Wertschätzung des
diesseitigen und des jenseitigen Lebens.

Dies lag einem strengen Götterglauben zu Grunde,
der sich überwiegend auf das Leben nach dem Tode ausrichtete. So erklärt sich
auch, warum die Profanbauten, wie Königspaläste, Priester- und Beamtenwohnungen
aus vergänglichen und schlichten Materialien wie Holz, Nilschlammziegeln und
Schilfmatten hergestellt wurden, hingegen die dauerhafte
Steinarchitektur den „Häusern für die Ewigkeit“ vorbehalten blieb, denn sie
sollten unzerstörbar sein.

Die Ägyptische Architektur war vor
allem eine Grab- und Sakralarchitektur. (1- vgl. www.lernhelfer.de)Sie diente in erster Linie den
gottgleichen Pharao zu würdigen und sein Weiterleben im Jenseits zu
garantieren.Er war sozusagen das Scharnier
zwischen der Götter- und der Menschenwelt und hatte im Sinne der Götter für
kosmische Ordnung „Maat“ zu sorgen und die Unordnung „Isfet“
zu vernichten. (vgl. Lernheft2, Seite 4)

Deshalb wurde für den wichtigsten
Mittler des kosmischen Ganzen, den Pharao, diese großartigen Totentempel und
Grabanlagen geschaffen, welche umfangreich mit Reliefdarstellungen, Inschriften
und Wandmalereien geschmückt wurden.

Die Vorstellung der strengen
kosmischen Ordnung nahm einen starken Einfluss auf die ägyptische Kunst, welche
ebenfalls strikten formalen Regeln und einem spezifischen Proportionssystem
(Kanon)unterlag.

In der Malerei beispielsweise
zeigte sich dieser Formalismus, in dem nicht ein realistisches Abbild von
Menschen geschaffen wurde, sondern im Sinne der magischen Erhöhung von Personen
ein für die Ewigkeit geschaffenes Abbild konstruiert wurde.Die Künstler arbeiteten nach
festen Regeln und Maßstäben. So wurden Personen nach Bedeutungsperspektive,
nicht nach Zentralperspektive abgebildet sprich, gesellschaftlich höher
gestellte Personen, wurden größer
dargestellt, als z. B. ihre Diener. „Gewisse Stileigentümlichkeiten
der ägyptischen Kunst, z. B. das Fehlen der Perspektive, gehen auf
traditionsgebundene Gedankengänge und magische Vorstellungen zurück, die eine
andere als die durch Überlieferung geheiligte Gestaltung unmöglich machten.
Wichtigste, fast ausschließliche Aufgabe der Kunst war die Veranschaulichung
religiöser Vorstellungen.“ (2- Zitat: wissen.de)

Ebenfalls typisch ist die Figuration
von Menschen im Flachbild bei der ein Auge, die Schultern und die Brust von
vorn, der Kopf, die Hüfte und die Beine jedoch von der Seite wieder gegeben
werden. Emma Brunner-Traut spricht von Aspektive, der Darstellung vieler
Aspekte im Bestreben den Menschen möglichst vollständig abzubilden.Außerdem ist es bezeichnend für die
ägyptische Kunst, dass Hieroglyphenschrift in die bildlichen Darstellungen und
die Reliefs eingearbeitet werden. Sie finden besonders zur Identifikation von
Götter und Königsdarstellungen und deren Attribute Verwendung(3- vgl. wikipedia.org,
altägyptische Kunst)

In der Grabarchitektur, den
„Häusern der Ewigkeit“ in denen es anhand der gefundenen Grabbeigaben
und kunstvollen Darstellungen, den Pharaonen an nichts mangeln sollte,
entdecken wir im Laufe der ägyptischen Kunst speziell ab der 3. Dynastie (ab
2657 v. Chr.), eine Entwicklung hin zu immer spektakulärer werdenden Sakralbauten,
die in direktem Zusammenhang mit stetig wachsendem Machtanspruch und neuem
Bewusstsein des Königtums stehen. (vgl. Lernheft 2, Seite 7)

Während der frühdynastischen Zeit
um 2980 v. Chr., wurde zunächst eine schlichtere Mastaba, ein rechteckiger
Flachbau mit abgeschrägten Seitenwänden über der Grabkammer des Pharao
errichtet, doch bereits mit fortschreitendem Jenseits- und Persönlichkeitskult der
folgenden Dynastien wurde die Grabanlagen gewaltiger und eindrucksvoller.

Der berühmte Baumeister Imhotep,
der für König Djoser um 2600 v. Chr. im sogenannten Alten Reich, erstmals eine
Stufenpyramide (Stufenmastaba) aus sechs, sich verjüngende Mastaben in Saqqara
errichtete, läutete damit die Ära der monumentalen pyramidenförmigen
Grabanlagen ein, die neben den Obelisken und Tempelanlagen als unvergleichlich
in der Kunstgeschichte gelten.
Imhotep, der „Erfinder“ des
Steinbaus, wurde später als Gott verehrt, denn nur durch den Werkstoff Stein konnten die unvergänglichen Monumente
für das Jenseits erst geschaffen werden.
Die Blüte der pyramidenförmigen
Pharaonengräber war in der 4. Dynastie, es entstanden die gigantischen
Pyramiden des Cheops, Chefren und Mykerinos in Giza.

Doch mit dem Beginn der 5.
Dynastie (um 2465 v. Chr.) begannen grundlegende Veränderungen. Neue religiöse
Vorstellungen entwickelten sich. Der Sonnengott galt nun als Schöpfer alles
Lebens, was ein Macht und Ansehensverlust, des Königs nach sich zog, der nur
noch als Sohn der Götter betrachtet wurde und erst nach seinem Tode
Göttlichkeit erlangen konnte. (vgl. Lernheft 2, Seite 5)

„Während des Neuen Reiches
bestattete man die Pharaonen ausschließlich in Felsengräbern. Diese
Entwicklung in der Königsbestattung muss mit entscheidenden Veränderungen des
Jenseitsbildes verbunden gewesen sein. Nach diesen Vorstellungen – so die
Deutung – stieg der Pharao nun nicht mehr über die monumentale Himmelsleiter
der Pyramiden ins Jenseits, sondern ging über ein tief liegendes Grab im Fels
in die Unterwelt ein.“ (4-Zitat, lernhelfer.de)

Totentempel von Pharaonen und
Götter rückten ab der 9. und 10. Dynastie (2120- 2020 v. Chr.) stärker in den
Fokus der sakralen Architektur, welche aber ähnlich der Pyramidengräber,
reichhaltig und kunstvoll ausgeschmückt waren.Architektonische Formen wie der
Obelisk, eine steinerne Säule mit pyramidenförmiger, vergoldeter Spitze, welche
die Strahlen des Sonnengottes Aton symbolisieren und Monumentalstatuen der
Pharaonen wurden immer häufiger vor und in den Tempelanlagen errichtet.
Außerdem begannen die Anlagen mit langen Sphinx- oder Widderalleen und führten
durch mehrere Torbauten mit prächtig verzierten Pylonen.

Die Tempelanlagen waren auch
diesmal nicht der Öffentlichkeit zugänglich, sondern nur den Pharaonen und
Priestern speziell für kultische Prozessionen und Handlungen vorbehalten.

Meiner
Ansicht nach, dient die ägyptische Kunst in allen ihren Ausformungen, sei es
Malerei, Hieroglyphen, Relief, Kunsthandwerk, Skulptur oder Architektur einem rein
sakralen, strengen Ordnungssystem eines Götterglaubens und deren gottgleichen
Königen. Da das Leben im kurzen Diesseits strikter Regeln bedurfte, um die „Maat“
zu wahren, musste auch die Kunst nach einem magischen Kanon berechnet werden,
um die Ordnung im ewigen Jenseits zu bewahren und das Chaos zu vernichten.Diese
Erhöhung, Huldigung und Ausrichtung des Lebens nach dem Tode, konnte, rein
künstlerisch betrachtet, nur zu gigantischen, außergewöhnlichen, sowie unvergleichlichen
Monumenten und Kunstformen führen, da diese als kosmische Symbole der
Unendlichkeit des Jenseits angesehen wurden.

Quellenverzeichnis:

1) lernhelfer.de, Vergleich : https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/kunst/artikel/aegyptische-architektur
(abgerufen
am 18.05.2018)

2)
wissen.de „Zitat“: https://www.wissen.de/lexikon/aegyptische-kunst
(abgerufen
am 18.05.2018)

3)
wikipedia.org,
Vergleich: https://de.wikipedia.org/wiki/altägyptische_Kunst (abgerufen am 18.05.2018)

4)
lernhelfer.de, Vergleich : https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/kunst/artikel/aegyptische-architektur
(abgerufen
am 18.05.2018)