SHIRIN DONIA – FACADE

Bevor ich auf Shirin Donias neue Bilderserie eingehe,
möchte ich noch etwas weiter in der Vergangenheit ausholen.

Ich erinnere mich noch gut, als ich im Herbst 2011 auf
einer Gruppenausstellung Shirin kennen lernte und gleich von ihrer sympathischen
Art, aber auch von ihrem erfolgreichen Selbstmarketing beeindruckt war.

Durch und durch Absolventin meiner Hochschule und Schülerin
von Prof. Baumgarten, also geprägt von einer zwar freien und modernen Akademie,
die aber doch die zurückhaltende, traditionelle Haltung von angehenden Freien
Künstlern erwartete, wurde ich geprägt. Von der rückseitigen Signatur unserer Werke bis zum
defensiven Warten, ob da ein Galerist oder Kurator nun Interesse an unserer
Arbeit bekundete oder nicht. Wir wurden also, von der, vom Hoffen, geprägten
Haltung auf den Kunstmarkt vorbereitet. (Gut 18 Jahre später, haben nun fast alle Kunstakademien
erkannt, dass mit dieser Erziehung zum akademischen „Phlegmatiker“,
schon fast sein Untergang geweiht ist. Wer heute im Kunstmarkt an Bedeutung erlangen möchte, sollte
zumindest grundlegende Kenntnisse des Selbstmarketings beherrschen.)

Shirin Donia, also, eine begabte Malerin hat keine Kunst im
klassischen Sinne studiert, sondern sich über Akademien und Kurse in Ausland
weiter entwickelt. Sie musste von Anfang an andere Wege gehen, denn in der
elitären Kunstwelt weht ein rauer Wind.

Bereits damals zu den glücklicheren, akademisch
ausgebildeten „phlegmatischen Künstlern“ gehörend, da schon etwas
erfolgreicher, als der Durchschnitt, wurde ich von Shirins selbstverständlich
wirkenden Geschäftstüchtigkeit durch Mark und Bein erschüttert.
Neben der guten Präsentation ihrer Kunstwerke, nutzte sie
die vordere Ausstellungsfläche fast wie
einen kleinen Museumshop, in dem es hochwertige Artprints, Grußkarten und
Merchandise Produkte zu erwerben gab. Unermüdlich erklärte sie der großen Traube an Besuchern, die
Ihre Kunstparzelle umgab, ihre Arbeit, gab Einrahmungstipps und geduldig
Antwort auf jede Frage.

Sie hatte den schwierigen Spagat zwischen Produzentin und
Verkäuferin durch ihre strahlende Aura und ihr selbstbewusstes Auftreten geschafft.

Was für eine Leistung!!! Hut ab!

Seid dieser Begegnung, habe ich mir eine gute Scheibe an
Selbstmarketing und den Mut auf Sammler zu zugehen abgeschnitten und darüber
bin ich hoch erfreut. Das hat mich um ein Vielfaches weiter gebracht. Dafür
danke ich Shirin sehr!!

Wir dürfen auch nicht vergessen, wir Künstlerinnen sind in
einer männerdominierenden Branche gelandet! Als Künstlerin, als Frau bist Du immer noch benachteiligt, da musst Du früher oder später selbst die Initiative ergreifen,
wenn Du keinen Mäzen oder populären Verwandten bzw. Bekannten in der Szene
hast. Künstlerinnen brauchen stärkere Nerven und Beharrlichkeit, um sich einen
Namen zu machen und akzeptiert zu werden.

Shirin Donia hat dies mit vollem Respekt gezeigt, sich mit Charme,
Charakter und dem notwendigen Standing ein beträchtliches Ansehen über
die Jahre aufgebaut.

Sie lebt und arbeitet seit 2004 in Frankfurt am Main, entwickelte
einen unverkennbaren Malstil, der von von Schönheit und Glamour geprägt ist und
spezialisierte sich auf ästhetische, nahezu fotorealistische, großformatige
Frauendarstellungen in verschiedenen „Traumwelten“. Shirin Donja
arbeitet stets in abgeschlossenen Bildserien, in denen ihr kosmopolitisches
Gespür, beim jeweiligen Thema zum Ausdruck kommt. Dabei verwendet sie neben der
klassischen Malerei auch Mixed Media Techniken und kreiert interaktive
Lichtobjekte mit anmutigen Frauenportraits aus allen Kulturen.

Ihre neue Serie „FACADE“ ist anders. Diese
Frauenportraits sind anders. Hier herrscht Krieg der gestalterischen Elemente!
Heftiger, schneller Pinselduktus dominiert das Werk, eine pastosere
Malerei, die mit Collage und grober Typographie verbunden ist, ähnlich einem „Tag“,
bekannt aus der Street Art – laut, heftig und unübersehbar.
Harte Kontraste – das Kolorit schwankt zwischen Schwarz und
Weiß im Vordergrund und überwiegend zarten, pastelligen Tönen, bedingt durch
die verwendeten Zeitungscollagen im Hintergrund.
Oft über den Augen oder Mündern der Figuren prangt ein schwarzer Farbbalken mit weißer,
spartanischer Schrift. Wörter wie „HERO, ARTIST, FAITH,“ zügig in
Großbuchstaben dahin gepinselt, knallen dem Betrachter brachial entgegen,
heftig wie eine Ohrfeige.
Nach dem Motto: „Zack!! – wo ist Dein Problem –
was ist mit Deiner Fassade?“

Die übliche sorgfältige Ausarbeitung, die typisch für Shirin
Donias Werke sind, fehlt gänzlich. Ein malerischer Ausbruch in der sonst so
geordneten Welt.
Die Malerei erinnert an die „Jungen Wilden“ der
Achziger, doch entspringt sie gedanklich ganz unserer heutigen Zeit.

Anonymität scheint eine große Rolle zu spielen, viele Gesichter
stellen typische, genormte, posierende Schönheiten dar, wie man sie aus aktuellen
Lifestyle Magazinen kennt, doch sie wirken hier fremd, unkenntlich, fahrig, aus
dem Kontext gerissen und sehr vielschichtig: mal verletzlich, mal agressiv,
mal stark, mal schwach.

Wo fängt hier die Fassade an, wo hört sie auf? Ein schier
unlösbares Rätsel. Ein Spiegel des Betrachters, von uns selbst in der heutigen
Zeit?

Was geben wir denn von uns preis? Wie zeigen wir uns, welche
Stories erzählen wir auf Facebook, Twitter, Instagram und Co?? Können wir
überhaupt noch ein wahrhaftiges „ich“ transponieren, oder ist mittlerweile jedes Outing,
jede politische Bemerkung, jedes gepostete Kuchenrezept schon Marketing und
Kalkül?? Die perfekte Inszenierung einer Maskerade, einer Fassade, die wir am
Liebsten 24 Stunden am Tag kontrollieren würden?

Ein Werk sticht heraus; im Werk PASSION werden die
Gesichtszüge von Frieda Kahlo, der
berühmten mexikanischen Malerin des Zwanzigsten Jahrhunderts dargestellt.

Ausgerechnet der impulsiven Künstlerin, die bedingt durch
einen schlimmen Unfall, Zeit ihres Lebens von heftigsten körperlichen Schmerzen
geplagt war und sich unzähligen Operationen unterziehen musste, wird hier eine
Hommage gegeben.
Frida Kahlo ließ die gesamte damalige Kunstwelt an ihrem
tragischen, aber intensivem Leben teilhaben und zeigte eben kaum Fassade,
sondern Stärke und Authentizität.

Sie war eine Vorreiterin der modernen, emanzipierten Frau
und eine herausragende Malerin. Welche heutige Künstlerin identifiziert sich
nicht ein stückweit mit ihr und wünscht sich diese Stärke, dieses Standing,
immun gegen das Gerede der Gesellschaft?

Shirin Donia ist es in ihrer neuesten Werkgruppe FACADE
gelungen die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema „Schein“ mit
expressivem, malerischen Ausdruck zu verbinden. Den Wechsel von ästhetischen
und abstoßenden, besser gesagt „vor den Kopf stoßenden“ Elementen hat
sie mit Bravour gemeistert!!!

Es lohnt sich die ganze Werkgruppe genauer vor Augen zu
führen und sie auf sich wirken zu lassen. Dazu gibt es die Möglichkeit sich auf
ihrer Website die gesamten FACADE Gemälde anzuschauen:

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oder sie direkt in Shirin Donias kommender Ausstellung Anfang
Juni2018 zu betrachten:

Hallo Zusammen! Wie bereits gestern angekündigt folgen nun die Infos zu der Ausstellung: Ich freue mich total 18 meiner…

Slået op af ART Shirin DoniaTirsdag den 29. maj 2018