Studiengang: Kunstgeschichte

Hausarbeit – 3:

Erläutern Sie die
außerordentliche Bedeutung der griechischen Kunst für die Kunstgeschichte, in
dem Sie bahnbrechende Darstellungen etwa des menschlichen Körpers oder die
architektonischen Erfindungen beschreiben.

Judith Kinsky, 01. Juni 2018

Der Anfang der griechischen Antike, so wie wir sie kennen,
ist laut Prof. Dr. Daniela Hammer-Thugendhat mit dem Einfall der dorischen
Stämme in Griechenland begründet, der um ca. 1200 v. Chr. erfolgte. (1-vgl.
Kunstgeschichte Vorlesung, Youtube.de)
Allmählich entwickelte und verfeinerte sich über
Jahrhunderte in der sogenannten Geometrischen Zeit der griechische Stil, was
überwiegend durch keramische Artefakte und Kleinplastiken belegt ist.
Anhand zum Beispiel einer griechischen Amphore um 750 v.
Chr., lassen sich schon die wichtigsten griechischen Stilmerkmale ablesen:“Das Gefühl für Ordnung, für Proportion, für das rechte
Maß, für Harmonie und für die Möglichkeit zu einer Wirklichkeitsbeobachtung bei
gleichzeitiger Möglichkeit zur Abstraktion. Der sehr rationale Kern dieser
griechischen Kunst ist hier schon sehr gut fassbar.“(2-Zitat: Prof. Dr.
Daniela Hammer-Thugendhat, Kunstgeschichte Vorlesung, Youtube.de)

Im 7. und 6. Jhd. vor Chr. der sogenannten Archaischen Kunst
entwickelte sich auch die griechische monumentale Steinarchitektur, in deren
Zentrum der Tempelbau stand. Bis zur heutigen Zeit finden diese majestätischen
Bauwerke höchste Bewunderung da ihr charakteristisches festes Ordnungssystem
die Grundlagen der modernen Architektur stark beeinflusste. (vgl. Lernheft 3,
Seite 4)

Der Tempel besteht aus einem festen Kern, dem Naos, der von
Säulenreihen umgeben ist. Der Naos wir nochmals in eine Cella unterteilt, in
der sich das riesige Kultbild des jeweiligen Gottes befindet. Die Tempel sind
in drei Abschnitte gegliedert: die Krepis (der dreiteilige Unterbau), die
Säulen und das Gebälk.

Säulen spielen als Bauelemente, übernommen von der
ägyptischen Kunst eine tragende Rolle. Diese sind in Griechenland jedoch in
drei verschiedene feste und bahnbrechende Ordnungen unterteilt: die dorische,
die ionische und die korinthische Säulenordnung, die immer wieder, wegen ihrer
zeitlosen Ästhetik, in der späteren Architektur aufgegriffen wurden.

Die früheste griechische Säule, die dorische Säule hat keine
Basis, steht direkt auf dem Stylobat und weist am kannelierten Säulenkörper (meistens
16-20 Kanneluren) eine Entasis, eine Schwellung auf, welche die Säule sehr
organisch wirken lässt und an einen Baumstamm erinnert. Ihr Kapitell ist sehr
einfach gehalten, besteht aus zwei Teilen, dem Echinus (Wulst) und dem
quadratischen Abakus, der die Säule abschließt. Darüber liegt der Architrav.
Dann folgt das Metopenfries mit den Triglyphen und rechteckigen Feldern, die
stets mit Wandmalereien oder farbigen Reliefs geschmückt sind. Das Tympanon
(Giebeldreieck) bildet den Tempelabschluss und ist außerordentlich reichhaltig
mit Reliefs verziert.

Die ionische Säule, die sich ab dem 6. Jhd. entwickelt
besitzt nun eine dreiteilige Basis aus, von unten nach oben gesehen, Plinthe
(eckiger Fußplatte), Spira (Rundglied) und Torus (Wulst). (vgl. Lernheft3,
Seite 5)
Ihr Säulenkörper ist ebenfalls kanneliert, hat aber Stäbe
zwischen den 24 Kanneluren und ist insgesamt schlanker. Das kennzeichnende Element
der ionischen Säule ist das Volutenkapitell. Es besitzt wie das dorische
Kapitell einen Echinus mit einem darüber liegenden Eierstab.
Dieser trägt das Pulvinium (Polster), welches in den schneckenförmigen Voluten
endet und von einem kleinen, Abakus abgeschlossen wird.
Das ionische Kapitell ist nicht wie das
dorische allansichtig, sondern es bildet eine Front und Seitenansicht. Über
dem Kapitell befindet sich oft ein dreigeteilter Architrav, dann ein
durchgehender Fries. Abschluss des Gebälkes bildet ein einfach geschwungenes
Geison mit teilweise aufwendig dekorierter Sima. (3- vgl. wikipedia.de)

Die korinthische Säule, die im 4. Jhd. v. Chr. in der Spätklassik
entstand weist Gemeinsamkeiten mit der ionischen Säule auf. Beide besitzen eine
dreiteilige Basis und einen schlanken, kannelierten Säulenschaft mit 24
Kanneluren. Das korinthische Kapitell besteht aus einem becherförmigen Kapitellkörper,
dem Kathalos, der dicht, von unterschiedlich hohen versetzt angeordneten,
stilisierten Arkantusblättern umschlungen ist. Die Blätter in den Kapitellecken
bilden kräftige Voluten und tragen den schmalen Abakus. Über den Säulen ruht der Drei-Fascien-Architrav versehen mit
einem glatten oder skulpturierten Fries. Nach einem Zwischenglied folgt das
Konsolengeison (vorragendes Kranzgesims), welches aus Zahnschnitt, Wellenprofil
und Eierstab besteht. Die Sima (Dachrand aus Ton oder Marmor) bildet den
Abschluss. (4 – Vgl. wikipedia.de)

Der überwältigende Eindruck der griechischen
Tempelbauten liegt in ihrer Einfachheit und dass alle Bauteile eine
nachvollziehbare Funktion besitzen als tragende und lastende Elemente. Die
gesamte Architektur beruht auf komplizierten Berechnungen der Proportionen, unter
anderem nach dem Goldenen Schnitt, aus ausgefeilter Statik und ausgeklügelter
Ausführung, so dass eine vollkommene Harmonie entsteht, die ganz der griechischen
Philosophie entsprach. Den Griechen war generell das Gefühl für das richtige
Maß und die richtige Mitte aller Dinge sehr wichtig. (5-Vgl.: Prof. Dr.
Daniela Hammer-Thugendhat, Kunstgeschichte Vorlesung, Youtube.de)

Ebenfalls wie in der Architektur, sind die Einflüsse der
ägyptische Kultur auf die griechische Monumentalplastik nicht zu verleugnen,
doch zeigt diese schon zu Beginn Mitte des 7. Jhd. v. Chr. grundlegende
Unterschiede.
Es handelte sich dabei meist um eine freistehende männliche
Figur, dem Kouros, einem nackten Jüngling. Die Nacktheit soll hier die eigene
Autonomie betonen und das nach vorne gerichtete Bein die Möglichkeit der
Bewegung suggerieren. (Das weibliche Pendant, die Kore wurde allerdings nur
bekleidet dargestellt.)
Die Kouroi sind keine lebendigen Darstellungen von echten
Personen sondern ein Idealbild in Bezug auf Schönheit und Athletik. Sie wirken
noch sehr statisch und stilisiert, vor allem die Haare werden sehr ornamenthaft
ausgeführt. Und es sind Menschen und keine Götterdarstellungen.

Die Skulpturen der klassischen Epoche (ca 500 v. Chr.)
hingegen, wirken durch eine Neuerung, der Darstellung des geraden Standbeines
sowie des angewinkelten Spielbeines und der daraus resultierenden leichten
Schräglage des Beckens viel lebendiger. Neben der realistischeren Ausarbeitung
des Körper, sind auch die Gesichtszüge z. B.: bei der Skulptur des
Kritios-Knaben viel ausdrucksvoller gestaltet, wobei es sich aber immer noch um
die Wiedergabe eines idealen Stereotypus handelt.
In einer Bronzestatur der klassischen Periode, wahrscheinlich
einer Darstellung des Göttervater Zeus, werden die Grundprinzipien einer neuen
Kunst stärker veranschaulicht: die athletische, Blitze schleudernde Figur zeigt
Kraft, Dynamik und strahlt gleichzeitig Ruhe, durch die vollendeten
Proportionen aus. Es wird ein majestätisches Ideal des Gottes, aber auch gleichzeitig
ein Idealbild des Menschen gezeigt. Ein zusätzlicher Aspekt in der Griechischen
Kunst: Götter und Menschen werden ohne Unterschied abgebildet. (Vgl. Lernheft3,
Seite 10)

Eine weitere Steigung im lebendigen Ausdruck erreichen die
Plastiken aus der hellenistischen Zeit (um 335-27 v. Chr.) Dies ist besonders
schön an der berühmten Laokoon-Gruppe zu bewundern, die um 200 v. Chr. von den
Bildhauern Hagesandros, Polydoros und Athanadorus aus Rhodos geschaffen wurde. Dieses
Artefakt galt bereits unter Zeitgenossen als Meisterwerk und selbst
Michelangelo beurteilt es ca. 1700 Jahre später als „Wunder der
Kunst“. Doch wie kam es wahrscheinlich zu dieser plötzlichen
hyperrealistischen und expressiven Darstellung?
„Hagesandros & Co. standen vor dem kniffligen Problem,
arbeitsteilig eine Szene in Marmor zu hauen, die mehrere Szenen der mythischen
Vorlage vereinen sollte: den Angriff der Schlangen, die Tötung der Söhne und
den letzten Kampf Laokoons. Wie aber stellt man die Gewalt von Schlangen dar?
Auf ikonografische Vorbilder konnten die Künstler nicht zurückgreifen. Also
verfielen die Rhodier auf einen Trick: Sie spiegelten die Stärke der Reptilien
durch das Leiden ihrer Opfer. Tatsächlich gibt es „in der antiken Bildkunst
keine zweite Darstellung, die in derart extrem pathetischer Form das Sterben
der Opfer vor Augen führt“, sagt Muth.
Wie der Todeskampf Laokoons physisch ablief, hat ihr Team
bis ins Detail an seinem Körper analysiert. Wie eine Marionette ist er den
Schlangen ausgesetzt, die Rechte wird brutal zusammengeschnürt, es ist der
Moment des finalen Angriffs – gegen den Hals unter dem qualvoll verzerrten
Gesicht.“ („Zitat“: Berthold Seewald, www.welt.de)

Diese Auseinandersetzung der Künstler mit der Tatsache, wie
sich die mythologische Szene wirklich abgespielt haben könnte in Kombination
mit künstlerischem Gespür, meisterlicher Berechnung und handwerklichem Geschick,
führte also zu der außerordentlich ausdrucksstarken Darstellung, die bis heute
als unübertrefflich gilt.

Ebenso wie die Architektur beruhte die Plastik der
griechischen Antike auf vollendeten Proportionen, auf Grundlage einer festen
Ordnung. Die meist athletischen Figuren strahlten dadurch in gleicher Weise
Ruhe und Bewegung aus. Diese Ausgewogenheit und Harmonie übte eine starke Faszination
auf die meisten Menschen aus und wurde dadurch kulturell prägend für alle
weiteren Generationen danach.

Die griechische Proportionslehre bildet bis heute die Basis
für die Berechnungen der richtigen Verhältnisse in der Architektur und
Bildenden Kunst.

Quellenangabe:

1.)Youtube.de Vergleich:
https://www.youtube.com/watch?v=ozT8SBC3LR4, Minute: 29:10-29:25 (abgerufen am
1. Juni.2018)

2.)Youtube.de
„Zitat“: https://www.youtube.com/watch?v=ozT8SBC3LR4, Minute:
36:45-37:15 (abgerufen am 1. Juni.2018)

3.)Wikipedia.de Vergleich: https://de.wikipedia.org/wiki/Ionische_Ordnung
(abgerufen am 1. Juni.2018)

4.)Wikipedia.de Vergleich: https://de.wikipedia.org/wiki/Korinthische_Ordnung
(abgerufen am 1. Juni.2018)

5.)Youtube.de Vergleich:
https://www.youtube.com/watch?v=ozT8SBC3LR4, Minute: 49:00-51:20 (abgerufen am
1. Juni.2018)

2.)welt.de „Zitat“:
Berthold Seewald https://www.welt.de/geschichte/article159477379/So-sah-das-groesste-Kunstwerk-der-Antike-wirklich-aus.html
(abgerufen am 1. Juni.2018)