Studiengang: Kunstgeschichte

Hausarbeit – 4:

Beschreiben Sie die römischen Herrscherportraits und ihre charakteristischen Besonderheiten.

Erläutern Sie ihre unterschiedlichen Funktionen.


Judith Kinsky, 08. Juni 2018


Die römische Kunst, besonders die
römische Statur und Portraitbüste, griff viele griechische Stielelemente wie
die der Ordnung, des Maßes, der Harmonie und der Proportionen (beispielweise
„den goldenen Schnitt“) wieder auf. Oftmals wurden sogar griechische Artefakte
kopiert und mit individuellen Gesichtszügen des römischen Auftraggebers
versehen. Im Gegensatz zu den griechischen Portraits in denen ein
majestätisches Ideal eines Menschen oder Gottes dargestellt wird zeigt die
römische Plastik nun einen „Willen zum Realismus“.
(„Zitat“: Lernheft 4, Seite 13) Sie stellt historische Personen dar
und keine mythischen Sagenfiguren.

Herrscherportraits als Standbilder
oder Büsten und auch in der Münzprägung finden in der römischen Epoche, vor
allem ab der sogenannten Kaiserzeit (27 v. Chr. – 391 n Chr.) historisch erstmals
eine weitreichende Verbreitung. Dies lag der Tatsache zu Grunde, dass das
Portrait den Herrscher auch in seiner Abwesenheit im gesamten riesigen römischen
Reich mit seinen weitverzweigten Siedlungen und Städten repräsentieren sollte,
denn in manchen abgelegenen Provinzen bekamen die Untertanen ihren Souverän nie
zu Gesicht.
Daraus resultierend war es für die
Kaiser sehr wichtig, dass ihre Portraits auch nach außen hin den richtigen
Eindruck vermittelten mussten. Es sollte also ein bestimmtes Bild ihrer Persönlichkeit
und ihrer Herrschaftsform geprägt werden. Die Portraits waren eine elementare Repräsentationsform und ein „wichtiges Mittel
kaiserlicher Selbstdarstellung“. (1- „Zitat“: wikipedia.org)

Folglich sind die römischen
Herrscherportraits meisterliche Darstellungen realer Oberhäupter mit
eindeutigen individuellen Gesichtszügen, die klare Rückschlüsse auf den
Charakter des Herrschers ziehen lassen. Sie sind zwar keine wirklich
wahrheitsgetreuen Abbildungen, sondern der Künstler wurde instruiert,
bestimmte, auf die Regentschaft bezogene, positive Merkmale besonders zu
betonen und ungeliebte oder unwichtige Züge eher zu vernachlässigen. Und sie
waren gewissen „Trends“ unterworfen bezüglich Haartracht und
Bartdressur, was ebenfalls gewisse Lebensstile der Kaiser bezeichnete.

Beispielsweise wird der bedeutende
Staatsmann und Feldherr Gaius Julius
Caesar
(100-44 v. Chr.) stets sehr vital und kraftvoll, mit klarem,
entschlossenen, teils skeptischen Blick dargestellt und seine Gesichtszüge eher
kantig, hart, was auf einen durchtrainierten Körper schließen lässt. Die
Haartracht eher kurz und praktisch, gerüstet für die vielen Feldzüge.

Kaiser Augustus (63 v.
Chr. -14 n. Chr.) hingegen wird in manchen Plastiken, in denen er, als nackter
griechischer Held abgebildet ist, eher vergöttlicht. Dann zeigen ihn andere
Standbilder in Toga als tugendhaften, vorbildlichen Bürger. Seine Mimik ist
entspannt und milde und symbolisiert den beliebten Friedenskaiser. Die Haare
fallen in klassischen, kurzen weichen Wellen.

Bei Tiberius (14-37 n. Chr.) deutet Wolfgang Helbig anhand dem
vatikanischen Kolossalkopf des Herrschers mit seinen schmalen, leicht asymmetrischen,
linksseitig herabgezogene Lippen und dem zart geöffneten Mund „das
vorsichtige zurückhaltende Wesen“ des Kaisers heraus. (2-„Zitat“
W. Helbig)
Insgesamt wird Tiberius eher
klassisch alterslos, besonnen und würdevoll dargestellt, was im Kontrast zu den
kaum schmeichelhaften Beschreibungen seines
Zeitgenossen Sueton steht, wo er eher als mürrischer unliebsamer Machthaber
gilt.

Claudius (41-54 n.
Chr.) hingegen wird wieder authentischer abgebildet und wirkt dadurch sehr
ruhig und majestätisch. Die Wiedergabe als höchster Gott Jupiter in einem
Bildnis mit Eichenkranz im Haar verdeutlicht, dass der „göttliche
Anspruch kaiserlicher Macht manifester Bestandteil des politischen Systems im
römischen Kaiserreich wurde“.(Zitat: www.bpb.de)

Nero
(54 – 68 n. Chr.) wird
als sehr elegante Erscheinung, oft mit aufwendig frisiertem Stirnhaar, in das
eine scharfe Welle eingebrannt wurde und Flaumbart dargestellt, was auf seine
Affinität zu Luxus, im Sinne von Hinwendung zu den schönen Künsten und der griechischen
Philosophie hinweist. Die oftmals elegante Anmutung in den Portraits stimmt
jedoch nicht ganz mit der Wirklichkeit überein. Laut Berichten von Zeitgenossen
war er eher etwas fettleibig und plump.

Marc
Aurel
(161-180 n. Chr.) wird als weiser
„Philosophenkaiser“ mit längerem Bart und kunstvollen Locken, ganz in
Anlehnung an die großen Griechen, wie beispielsweise Sokrates verewigt.

„Die Reiterstatue, die diesen Kopf trägt,
steht dagegen in der Tradition militärischer Ikonographie des siegreichen
Kaisers, der zu Pferd die Feinde des römischen Reiches überrennt. Wie in den Reliefs
der Marcussäule erfüllt dieses Portrait des Kaisers die Erwartungen, die an ihn
als obersten Kriegsherrn gerichtet werden. Der Portraitkopf entspricht einer
anderen Facette der Selbstdarstellung und spiegelt die philosophischen
Interessen Marc Aurels, die er zur Grundlage seines Handelns machte.“ (4-
„Zitat“: viamus.unigoettingen.de)

Caracallas‘ (211-217 n. Chr.) Portraitbüsten zeigen
energische, fast zornige Stirnfalten und extrem kurzes, stilisiertes Haupt- wie
Barthaar. Eine Art Verrohung der kaiserlichen Gesichtszüge lässt auf einen
Wandel des römischen Regententypus schließen. Er wirkt jähzornig und grob nicht
souverän. Jegliche Feinheit und Kultiviertheit im Vergleich zu den den
Kaiserportraits des Marc Aurels fehlt. Es lässt sich daran bereits die
aufkommenden Unruhen, die beginnende Instabilität des römischen Reiches deuten.
Die Darstellung eines neuen kurzen Panzerbüstentypus,
bei dem der Mantel straff zur Seite gezogen wurde, was die starke Bewegung des
Kopfes reflektiert, scheint auf die
Stärke, Vitalität und Einsatzbereitschaft des Herrschers als Feldherr zu verweisen.
(5- vgl. viamus. uni-goettingen.de)

Der spätere Kaiser Konstantin (306-337 n. Chr.) erscheint in den Abbildungen
weitblickend und tolerant. Die Portraitbüsten zeigen ihn mit großen Augen,
bartlos und kurzer Frisur. Allerdings sind die Gesichtszüge nicht mehr so
sensibel ausgearbeitet wie bei den Kaiserportraits aus der Anfangszeit. Hier
zeigt sich ein gestalterischer Wandel, der wohl auf den allmählichen Zerfall
des römischen Reiches hindeutet.
Vermutlich soll der Fokus auf den Kopf, die Augen
und die mild wirkende Mimik auf seinen vorrausschauenden Geist und seine
xenophile Politik hinweisen. Sein Toleranzedikt von Mailand, 313 n. Chr.,
welches dem sich immer stärker ausbreitenden Christentum Gleichberechtigung verschaffte, galt als
visionäre Handlung)(vgl. Lernheft 4, Seite 14-16)

Maßgeblich bei den Kaiserportraits
ist, dass, neben der Ausarbeitung der Gesichtszüge, deren Funktion, durch die Wahl der
Figurentypen sowie der Attribute und des Aufstellungsortes, stark variiert.
„Eine Togastatue betont den
Aspekt der zivilen Amtsführung in altrömischer Tradition, eine Panzerstatue
oder eine Darstellung zu Pferd oder auf einem Wagen erinnern an militärische
Verdienste. Kaiserportraits in Göttergestalt setzen mehr charismatische
Qualitäten ins Bild, die den Kaiser mit den gewählten Gottheiten
verbanden“(6 -„Zitat“: viamus. uni-goettingen.de)
Statuen der Kaiserportraits waren an den besten
Plätzen präsent wie im Forum Romanum, in der Mitte von öffentlichen Plätzen,
auf Ehrenbögen usw.

Die römischen Herrscherportraits mit
ihren persönlichen Signa sind also pragmatisch, nicht wahrhaftig, sie sollen
nur glaubhaft authentisch wirken, denn hauptsächlich vermitteln sie die
unterschiedlichen politischen Aussagen und geistigen Ideale der Regenten.Durch die allgegenwärtige Präsenz
im öffentlichen Raum unterstreichen sie zusätzlich deren Autorität.

Quellenangabe:

1.) wikipedia.org,
„Zitat“: https://de.wikipedia.org/wiki/Römische_Kaiserportraits
(abgerufen am 8. Juni.2018)

2)
„Zitat“: Helbig, Wolfgang: Führer durch
die öffentlichen Sammlungen klassischer Altertümer in Rom, Zweite Auflage, Leipzig,
1899 , Seite 51

3)
bpb.de http: „Zitat“: //www.bpb.de/gesellschaft/medien-und-sport/bilder-in-geschichte-und-politik/73218/herrscherbilder?p=all
(abgerufen am 8. Juni.2018

4.) viamus.uni-goettingen.de, „Zitat“: http://viamus.uni-goettingen.de/fr/e/uni/d/03/04 (abgerufen am 8. Juni.2018 )

5.) viamus.uni-goettingen.de, Vergleich: http:// http://viamus.uni-goettingen.de/fr/e/uni/e/07/02 (abgerufen am 8. Juni.2018 )

6.) viamus.uni-goettingen.de, „Zitat“: http://viamus.uni-goettingen.de/fr/e/uni/d/03/04 (abgerufen am 8. Juni.2018 )