Studiengang: Kunstgeschichte

Hausarbeit – 5:

Welche Stellung nimmt
die byzantinische Kunst zwischen römischer, frühchristlicher und der frühen
Kunst des christlichen Abendlandes, der karolingischen Kunst ein?

Die byzantinische Kunst entstand um 330 n. Chr. als der
römische Kaiser Konstantin I. seinen Regierungssitz vom in sich zerfallenden
Rom nach Byzantion im Osten des römischen Reiches verlagerte und die
strategisch günstig gelegene griechische Stadt am Bosporus, welche stetig an
Bedeutung erlangte, zum Bollwerk gegen Invasionen von Feinden festigte.

In der Tradition der römischen und hellenistischen Herrscher
nannte der Regent, der als erster Kaiser das Christentum akzeptierte und zum
Ende seines Lebens selbst Christ wurde, seine auserkorene Residenz Konstantinopel und ließ sie, als Zeichen des
Neubeginns zu einer strahlenden, kosmopolitischen Metropole ausbauen.Es entwickelte sich die byzantinische Kunst welche stark von
der Verbindung der spätantiken Kultur Griechenlands (Standort), dem römischen
Erbe (Herkunft) und dem aufkommenden Christentum (neue Religion) mit seiner
frühchristlichen Kunst beeinflusst wurde. Die Einwohner verstanden sich trotz
einschneidender Veränderungen immer noch als „Rhomaioi“, als Römer.

„Die frühchristliche und byzantinische Kunst ist
fraglos die Fortsetzung der römischen Kunst, andererseits beginnt mit ihr etwas
völlig Neues. Sie ist die Kunst einer imperialen Machtpolitik und zugleich eine
spirituelle Kunst der Theologen. Sie ist eine Kunst der Eliten in den
Metropolen, also in Rom und vor allem in Konstantinopel aber auch die fernen
Äthiopier, Normannen oder Moskowiter sehen sie als die ihre an. Sie ist eine
entschieden christliche Kunst, aber ältere dionysische Motive leben in ihr
länger als in jeder anderen Kunst des mediterranen Kulturbereichs
fort.“(1-„Zitat“: Johannes G. Deckers)

Spiritualität und Vergeistigung ist ein wesentliches
Merkmale der byzantinischen Kunst und sie durchlebt mehrere Epochen, die die
gestalterische Entwicklung ihrer Artefakte in der Malerei, des Mosaikes, des
Fresko, der Kleinplastik sowie der Buchkunst festigen und verfeinern und durch konservative
Vorgaben bis zum Ende des Byzantinischen Reiches (1453 n. Chr.)und darüber
hinaus in gleichbleibender Qualität sichern.
Es entstand eine Verbindung von antikem Bildillusionismus
und einer frühchristlich geprägten Abstraktion, die durch formale Prinzipien und
Dekorationssysteme, begründet, beruhend unter anderem auf sogenannten
„Urbildern“, zu einer starken Homogenität in der byzantinischen Kunst
führte. (Vgl.: Lernheft5, Seite 4)

Bildlich transponiert zeigen sich diese Merkmale in einer
strengen Frontalität der dargestellten Figuren und unbewegten, ehrfurchtsvollen
Gesichtern, was einerseits auf Demut und andererseits auf eine würdevolle Haltung
hinweisen soll.
Die Körper sind zwar in griechisch antik anmutenden Gewänder
gehüllt, doch wirken diese flächig, nicht plastisch und scheinen im Bildraum zu
schweben, denn die Füße stehen meist auf keinem Grund. Sie sind entmaterialisiert.
Diese Transzendenz wird zusätzlich durch einen flächigen Goldgrund und eine
optische Längung der Körper im Bildraum erzeugt der die Figuren übernatürlich
erscheinen lässt.

Im Gegensatz zu der Spiritualität, steht die
unvergleichliche Kostbarkeit und die prachtvolle Ausarbeitung der Artefakte. Dadurch
erlangen dargestellte Heilige einen Herrscherstatus, wie es beispielsweise
„Madonna mit Heiligen und Engeln“(Lernheft 5, Seite 13, Abb. 19)
zeigt und umgekehrt Herrscher einen Gottgleichen Status wie es in: „Ravenna,
San Vitale, Kaiserin Theodora mit Gefolge“ (Lernheft 5, Seite 13, Abb 17)
zu sehen ist.

Der Nimbus ist gleichermaßen um den Kopf von Machthabern und
Schutzpatronen abgebildet. Dies bedeutet das Heilige und Regenten auf einer
Ebene gesehen werden sollten. Die Kaiser erhielten ihre Legitimation aus Gott. Dies
ist eigentlich in der christlichen Kultur eine starke Diskrepanz, doch die
Kunst, die bildliche Darstellung schafft hier eine Harmonisierung und
legitimiert den Widerspruch in einer gewissen Art und Weise.

(Eine ähnliche, sich daraus entwickelnde Art der
kaiserlichen Darstellung wird auch in der karolingischen Kunst , im
weströmischen Reich fortgeführt, da der Kaiser von Gottes Gnaden gekrönt wurde
und als Gottes Diener und Stellvertreter neben dem Papst galt. Die
karolingischen Artefakte weisen jedoch eine stärkere Farbigkeit auf und
verzichten auf den kaiserlichen Nimbus.)

In der frühbyzantinischen Periode (330-730 n. Chr.) entstanden
unter Kaiser Konstantin I. und hauptsächlich Kaiser Justinians I. bedeutende
Kirchenbauten wie die San Vitale in Ravenna und die Hagia Sophia in
Konstantinopel.

Die Hagia Sophia, die Palast- und Hauptkirche der damaligen
Christenheit, zählt zu den prächtigsten sakralen Bauten überhaupt in der
Kunstgeschichte und weist architektonische Besonderheiten auf: Die
Verschmelzung von Kuppelbau (Zentralbau) und römischer Basilika (Längsbau). Es
ist eine Vermengung von antiken Elementen (Tempelsäulen) und neuen christlichen,
orientalischen Einflüssen. (abstrakte Ornamentik) (2-vgl. wikipedia.org)

Die byzantinischen Kirchen galten als Vorbild für die
spätere mittelalterliche, die karolingische und ottonische Sakralarchitektur.

„Dass die byzantinische Kunst aber auch in den
nordischen Ländern gewirkt hat, lässt sich insbesondere an der Pfalzkapelle im Aachener Dom Karls des Großen, die nach der
Basilika San Vitale in Ravenna errichtet wurde,
sowie verschiedentlich im Zeitalter der Ottonen (Ottonische Renaissance), als byzantinische Formen des Zentralbaus bei
romanischen Kirchenbauten in Köln (Groß St. Martin und St. Aposteln) das hohe Ansehen
der mittelbyzantinischen Zeit bezeugen.“ (3- „Zitat“.
wikipedia.org)

Die goldene Kuppel und prachtvolle Ausschmückung der Hagia
Sophia mit ihren ikonografischen Wandmosaiken, versetzte jeden Betrachter in
Erstaunen. Die Kuppel, Symbol des Himmels wirkte durch ausgeklügelte
architektonische Kniffe schwebend und die ganze Ausschmückung einfach
überirdisch. Der Glanz und Schimmer des viel verwendeten Goldgrundes erweckte
den magischen Eindruck einer metaphysischen Durchbrechung von Raum, einer gefühlten
Anwesenheit Gottes auf Erden.

Byzantinische Kunst und Architektur verweben sich ganz im
Zeichen der Transzendenz und Spiritualität.

Die Frühchristliche Symbolik in der beispielsweise ein Fisch
nicht einen Fisch, sondern Jesus Christus darstellt, weicht nun einer ikonografischen
Kunst, die ab dem 4. Jh. n Chr. immer beliebter wird. Man glaubte an die
wundertätige Kraft von Ikonen und bildete Legenden. Daraus resultierte ein
heftiger Bilderstreit von Ikonoklasten und Ikonodulen.

Denn es heißt im 2. Gebot des Alten Testamentes: „Du
sollst Dir kein Abbild machen“. Die christliche Religion verbietet die
Gottesdarstellung und Theologen erwirken nun zusammen mit Kaiser Leon dem
III. 730 n. Chr. ein Bilderverbot mit
der daraus resultierenden Zerstörung sämtlicher ikonografischer Artefakte und
einer Rückbesinnung zur schlichten abstrakten Ausschmückung der Gotteshäuser.
(vgl.: Lernheft 5, Seite 3)

In der mittelbyzantinische Periode (842-1204 n. Chr.) endet
jedoch der Bilderstreit, da sich die Ikonodulen durchsetzten und die byzantinische
Kunst wieder eine Blüte nach nun endgültig festgelegten Regeln erfährt.“Von nun an entwickelte sich eine eigene Theologie des
Bildes, die vor allem Christusikonen unmittelbar mit dem Geheimnis der
Menschwerdung Gottes verbindet“.(4-„Zitat“: Johannes G. Deckers)

Immer wieder gibt es Streitereien zwischen den Christen im
weströmischen und oströmischen Reich.

Im Jahr 1054 erfolgt die endgültige Trennung von römisch-katholischer
und griechisch-orthodoxer Kirche. (Schisma)
Im Verlauf des 11. Jh. wird Byzanz durch militärische
Niederlagen geschwächt und die Stadt Konstantinopel von Kreuzfahrern
eingenommen, was ein Ende der glanzvollen zweiten Phase zur Folge hatte. (5-
vgl. Johannes G. Deckers)

Die spätbyzantinische Phase (1204 -1453 n. Chr.), die stark
von militärischen Unruhen und wirtschaftlichem Niedergang geprägt ist und 1453
durch den Einfall der Osmanen endet, verliert nicht seine künstlerischen
Fähigkeiten: „Zwar sind die neu errichteten Bauten oft fast miniaturhaft
klein, ihre zierlichen Proportionen sind aber wohlausgewogen. Ihr äußerer Dekor
ist spielerisch und einfallsreich, ihre Ausstattung mit Mosaiken und Malereien
von höchster Qualität. Die gebildete Elite zieht sich so oft als möglich in
ihre immer noch unvergleichlich reichen Bibliotheken zurück. Kopien alter Werke
werden mit neuen Miniaturen ausgestattet. Schmuck und Gewänder sind von
erlesener Kostbarkeit. Die Ausstrahlung der byzantinischen Kunst ist immer noch
ungebrochen. (6- „Zitat“: Johannes G. Deckers)

Die Byzantinische Kunst greift, abschließend zu sagen, als nachfolgende
Kunst die römische Formensprache und frühchristliche Symbolik, unter
Vermischung von orientalischen und barbarischen (keltischen) Einflüssen, auf,
gewinnt an unvergleichlicher Pracht und gilt als repräsentatives Vorbild, als
Maßstab der karolingischen Kunst, deren Herrscher Byzanz um nichts nachstehen
wollten. Sie dient als vermittelndes Element zwischen Antike und Mittelalter
und prägte nachhaltig die frühchristliche Kunst (und Architektur) des Abendlandes,
die karolingische Kunst.

Quellen:

1) „Zitat“:
Deckers, Johannes G.: Die Frühchristliche und Byzantinische Kunst, München,
2016, Seite 7

2.) wikipedia.org,
„Zitat“: https://de.wikipedia.org/wiki/Byzantinische_Kunst (abgerufen
am 18. Juni.2018)

3.) wikipedia.org,
„Zitat“: https://de.wikipedia.org/wiki/Byzantinische_Kunst (abgerufen
am 18. Juni.2018)

4.) „Zitat“:
Deckers, Johannes G.: Die Frühchristliche und Byzantinische Kunst, München,
2016, Seite 12

5.) Vergleich: Deckers,
Johannes G.: Die Frühchristliche und Byzantinische Kunst, München, 2016, Seite
12

6.) „Zitat“:
Deckers, Johannes G.: Die Frühchristliche und Byzantinische Kunst, München,
2016, Seite 13