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0,9 % Salz und 70 % Gruener Tee

Flamingos und Fingerspitzengefühl

Kunst Posted on Mo, Mai 21, 2018 11:01:18

Flamingos und Fingerspitzengefühl

Trend hin- Trend her. Ich hab mir noch nie viel aus Trends
gemacht, bin immer meinen eigenen Weg gegangen, habe sogar eine eigene Technik
in der Malerei entwickelt, fern von dem was gerade in der Kunstwelt in oder out
ist.
Meine Malerei entwickelt sich aus Eindrücken, die mich wirklich berühren.

Letztes Jahr stattete ich Ses Salinas in Es Trenc auf
Mallorca, wegen des Salzes für meine Salztechnik einen Besuch ab und sah die
dort ansässigen Flamingos erstmals live. Obwohl ihr Gefieder dort nicht so
leuchtend Rosa ist, fand ich diese Vögel selbst aus der Ferne faszinierend und
bedauerte es, dass ich sie nicht von der Nähe aus betrachten konnte.

Wieder zu Hause, wollte ich mehr über Flamingos wissen,
recherchierte, sah mir Nahaufnahmen an und war stark beeindruckt. Flamingos
gibt es in allen rosa Schattierungen, doch das intensive Pink sprach mich am
meisten an. Ich fand auch, dass Flamingos gar nicht putzig aussehen, sondern
einen teilweise sehr grimmigen Ausdruck an den Tag legen. Ihre Physiognomie
ergriff mich.

Schon bald begann ich erste Skizzen, dann kleine Ölbilder zu
malen- und hatte – ganz entgegen meiner sonstigen Ernsthaftigkeit, überhaupt
keine Angst, vor diesem „kitschigen“ Pink!

Im Gegenteil! Dieser Gesichtsausdruck brauchte meiner
Meinung nach diese intensive Farbe. Flamingopink ist Energie und Lebensfreude
pur! Jetzt schreien sicher alle Kunstkritiker: „Ja gegen die Farbe ist ja
an sich nichts einzuwenden, aber ausgerechnet Flamingos???? Der Vogel, der wohl
sicherlich seit gut einem Jahrzehnt nun für jeden Ramsch vermarktet wird, der
kann doch wohl nicht als seriöses Motiv in der Kunst gelten???“

Für mich schon. Diese Vögel sind so ambivalent wie nur
möglich. Sie gelten als niedlich und entzückend, sind allseits beliebt. Jedoch
ist ihre Mimik bei genauer Betrachtung nach beinahe schon hässlich, meiner
Meinung nach fast nur noch vom Marabu zu toppen. Ich sehe etwas ernsthaft Majestätisches,
Anmutiges und Allwissendes in ihrem Mienenspiel, aber eben auch etwas Missmutiges.

Sie sind sozusagen perfekt „unperfekt“. Da sind
sie wieder, die Brüche, die mich so faszinieren in der rosaroten
„Flamingowelt“. Notwendige Brüche in der Kunst. Kunst will mit dem Betrachter kommunizieren, sie entwickelt ihre Eigenständigkeit.



(Die ersten drei 20×20 cm großen Flamingo Ölbilder von 2017)

Nachdem mir meine ersten drei kleinen Flamingo Ölbilder
buchstäblich sofort von einer Sammlerin aus den Händen gerissen wurden, fiel es
mir wie Schuppen von den Augen:

Dieses Tier hat eine Ausstrahlung, die tief berührt, es ist
nicht nur das Rosa oder das Motiv an sich. Irgendwie habe ich es geschafft sein
Wesen zu offenbaren und dieses Wesen hat einfach eine magische, fast schon
überirdische Ausstrahlung.

Darauf hin malte ich ein Flamingo Paar auf eine größere
Leinwand mit angedeutetem
Sonnenuntergang. Bei dieser 110 x 160 cm
großen Arbeit empfand ich, dass die Kombination mit meiner Salztechnik diese
Ausstrahlung zusätzlich verstärkt. Doch da bin ich nicht alleine mit diesem
Eindruck. Mein Mann wollte die Arbeit zunächst gar nicht in die Galerie geben
und mein Galerist auf Mallorca war total begeistert.

(„Sunset Flamingos“ 2017, 110 x 160 cm, Acryl, Öl auf Leinwand)

Er beabsichtigte original große Limiteds davon anfertigen lassen.
Da bin ich innerlich doch zuerst zusammen gezuckt.
Reproduktionen oder besser gesagt Limiteds? Geht das überhaupt oder ist das der
schleichende Untergang, die Entwertung der Kunst?

Ist es überhaupt möglich den Ausdruck des Originals auf eine
gleichgroße Reproduktion zu transponieren??

Mit echtem Fingerspitzengefühl tatsächlich schon.

Denn zwei Wochen später, zeigte mir mein Galerist das
Ergebnis und ich war wirklich sehr von der Anmutung des Limited beeindruckt.

Auch wenn ich nur einen Testausdruck in den Händen hielt, so
war ich doch sprachlos.
Die Emotion war da.
Jahrelange Erfahrung und viel Feingefühl
machen es möglich.

Klar ein Original ist und bleibt ein Original, da kann
natürlich kein Limited mithalten, aber es ist eine weitere Option, die auch
ihre Berechtigung haben sollte, finde ich.

Mein Galerist sagte damals: „Weißt Du Judith, wenn das
Original keine Ausstrahlung hat und den Betrachter nicht berührt, dann kann ich
das auch nicht auf das Limited zaubern.“

Übrigens ist das original Ölbild in der Galerie Arte Casa in Port Antratx auf Mallorca zu sehen.
Heute Abend findet außerdem die „Grand Opening Party“ der Galerie Arte Casa II statt!
Ich werde an der Vernissage (Gruppenausstellung der GaleriekünstlerInnen) persönlich anwesend sein und freue mich auf viele Besucher.

https://www.artecasa-gallery.com/

Herzlich Judith



Body Shaming in der Kunst?!

Kunst Posted on Mo, April 09, 2018 10:54:39


BODY SHAMING in der Kunst?!

Es geht hier um dieses Ölgemälde, das der Serie „Florida Beach“ von 2008 entstammt.

Wie ihr erkennen könnt, habe ich eine eigene Technik entwickelt mit einem unruhigen, abstrakten Hautbild, aber dies soll nicht das Thema sein.

Einer meiner Sammler kaufte einige Arbeiten aus jener Serie, nur eben diese nicht.

Die Begründung war, dass FALTEN am Bauch zu sehen seien, die STÖREND seien.

Aha. Zuerst war ich nur leicht gekränkt, da ich gerade dieses Bild besonders mochte: die Dynamik kurz vor dem Sprung ins Wasser, die Farbigkeit, dieses pudrige Taubenblau, wie der Himmel in Florida oft in den Abendstunden erstrahlt..

Aber die Bauchfalten stachen mir jetzt auch ins Auge.

Was ist daran falsch?

So sieht eine Frau in der Haltung eben aus… ist das nicht einfach natürlich?

Was ist falsch an NATÜRLICHKEIT?

BODY SHAMING EINER GEMALTEN FRAU! Oder etwa nicht?

Das ist irgendwie krank, dachte ich, und meiner Meinung nach ein Spiegel dessen, was eine Frau nicht haben darf: sichtbare Bauchfalten, auch wenn sie sich gerade vorn überbeugt…

Der Sammler setzte damals noch etwas drauf:

„Sowas verkaufe sich nicht“, sagte er, womit er tatsächlich Recht behalten sollte.

ES IST DAS EINZIGE BILD DER SERIE, DAS NICHT VERKAUFT WURDE!

Er hatte nicht nur Recht behalten, er hatte mich doch tatsächlich darin beeinflusst, NIE WIEDER Posen zu malen, wo Bauchfalten oder sonstige unschöne Falten zu sehen sind, denn ich muss ja meine Kunst verkaufen.

Und so lange die gefühlte Mehrzahl der Museen, KuratorInnen und GaleristInnen eben solche starken, eigenen Abbildungen von Frauen NICHT ausstellen möchte, weil sie ja auch mit dem Trend gehen, so lange werde ich keine Bauchfalten mehr malen!

Nicht weil ich sie nicht mag, sondern weil dann Zwanzig oder Dreißig Bilder in meinem Atelier stehen würden, die ich nie verkaufen könnte.

BODY SHAMING ist nun auch in die Kunst eingekehrt!
„Germanys Next Top Model“ und anderen oberflächlichen TV-Sendungen in dieser Richtung sei Dank!

Kann ich ja trotzig sagen: „Mach‘ ich trotzdem, jetzt erst Recht!“ Faust nach oben!

Genau… mein Vermieter wird mich nach einem Jahr unbezahlter Ateliermiete rauswerfen.

Ja, die Malerei darf krass sein – ich könnte, polemisch ausgedrückt, dicke „Hupen“ und blanke „Muschies“ problemlos malen, aber dann bitte politisch korrekt: ohne Bauchfalten oder sonstige störende Natürlichkeit.

Das ist fast so heuchlerisch wie mit dem trendigen „Nude“ Make-up – Tonnenweise Schminke im Gesicht, um natürlich, rosig, ungeschminkt auszusehen…

Als Künstlerin, Frau und Mutter einer Tochter finde ich diese Entwicklung nicht akzeptabel. Ich bin empört darüber!

Kein Wunder, dass so viele Mädchen Eßstörungen haben, mit eingezogenem Bauch herumrennen und bereits mit „sweet sixteen“ nur noch schön getunte Fotos von sich posten. Taille dünner, Beine länger, BAUCHFALTEN weg –

die Aufzählung könnte endlos sein.

Das ist eben genau der Grund, warum ich mich jetzt an Euch wende: Frauen, Männer, Mütter und Väter! Gehen wir gegen dieses Body Shaming endlich vor!

Seien wir unseren Töchtern ein Vorbild, dass ein weiblicher Körper gemalt oder in Natura nicht mit Filter, Photoshop, starken malerischen Korrekturen etc. „entstellt“ werden muss, um schön zu sein.

Lasst uns wieder bewusst werden – fern von dem Medienrummel – dass jede Frau, jedes Mädchen einen einzigartigen und schönen Körper besitzt und ihn auch feiern sollte! Da gibt es NICHTS zu schämen!

Herzlich

Judith Sturm



„Georgia in my mind“

Kunst Posted on Fr, März 23, 2018 15:11:46

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich, ich glaube ich war damals vierzehn Jahre alt, in einer Buchhandlung ein kleines, ja schon fast winziges Buch in den Händen hielt.

Georgia O’Keeffe.

Ich war fasziniert. Noch nie hatte ich solch wunderschöne Blumengemälde gesehen. Dieses kleine Buch über die Malerei der berühmten, amerikanischen Künstlerin, begleitete mich während meiner gesamten Schulzeit und beeinflusste stark die Bildkompositionen in meiner jetzigen Malerei.

Vanitas Motive faszinieren von jeher, so war es nicht verwunderlich, dass ich mich in Georgia O’Keeffe’s Schädelbilder verliebte.

Sie zeigt in ihnen den Tod voller Anmut und frei von seinem Schrecken.

Geschmückt mir einer Rose, das Symbol Mariens, der Liebe oder des Schweigens? Geheimnisse, die jemand mit ins Grab nimmt?

Wer weiss, vielleicht hat Georgia einfach nur die Schönheit der Rose und des verwitterten Schädels einfangen und sonst nichts weiter mitteilen wollen.

Durch meinen Arbeitsaufenthalt auf Mallorca werde ich ständig mit dem Thema Stier konfrontiert. Keine Galerie dort, die nicht Gemälde und Skulpturen von Stieren ausstellt, doch irgendwie haben mich diese Tiere malerisch nie wirklich interessiert, bis ich, auf einer Finca in Esporles, drei kleine, verwitterte Ziegenschädel im Garten entdeckte und bewunderte…Da kamen mir sofort wieder die Schädelbilder von Georgia in den Sinn…

Ich arbeite gerade an einer Edition von 12 kleinen Ölbildern (20x30x4 cm), die alle ähnlich aber jedes für sich steht. In jeder Arbeit von „Georgia in my mind“ ist ein Stierschädel und eine oder zwei Rosen abgebildet. Die Unruhe meiner typischen Salzgrundierung klingt nur zart hindurch. Der pudrige matte Farbauftrag wird durch den einheitlichen schwarzen Hintergrund verstärkt, die Romantik durch neonfarbene, geometrische Farbflächen wieder etwas gebrochen. Pulsierenden Farbblitze im Kontrast zur fast schon neo-viktorianischen Malerei. Und doch bleibt der Schädel prägnant und anmutig, wird vom Neon eher getragen, denn gestört.

Eine Rose zu malen ist sehr meditativ. Jeden Tag denke ich nun, dass Rosen wirklich besondere, magische Blumen sind – kein Wunder, dass fast alle Menschen von ihnen fasziniert sind!

Die ersten sechs Gemälde habe ich nun fertig gestellt und möchte sie Euch nicht vorenthalten. Ich freue mich schon auf die Vollendung der Serie und halte Euch auf dem Laufenden!

Herzlich Judith